Eine jugendliche Person sitzt im Schneidersitz und schaut auf ihr Tablet.

NS- und NSU-Betroffene teilen ihre Geschichten

Digitale Zeitzeug*innengespräche mit Sally Perel und Gamze Kubaşık

Viele Generationen Schüler*innen durften in den vergangenen Jahrzehnten in Zeitzeug*innengesprächen die Geschichten von Holocaust-Überlebenden kennenlernen und mit Menschen ins Gespräch kommen. Einer dieser Zeitzeugen ist Sally Perel, der nun auf Einladung des Vereins Train of Hope, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW, an einer Online-Gesprächsreihe für Dortmunder Schüler*innen teilnahm. Teil dieser Gesprächsreihe war mit Gamze Kubaşık, der Tochter eines Opfers des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), auch eine Zeitzeugin neuerer deutscher Geschichte.

Politische Bildung erlebbar gemacht

Zeitzeug*innen-Gespräche sind wichtige Bausteine politischer Bildung und Aufklärung. Denn durch die authentischen, direkten Gespräche mit Überlebenden und Betroffenen können vor allem junge Menschen einen emotionalen Bezug zu ihrer eigenen Lebenswelt herstellen. Dadurch werden sie für die Auswirkungen von Rassismus und Antisemitismus sensibilisiert. Der Dortmunder Verein Train of Hope hat für ein Projekt in Kooperation mit vier Schulen in Dortmund Sally Perel, einen Überlebenden des Holocaust, und Gamze Kubaşık, Tochter des vom NSU ermordeten Mehmet Kubaşık, eingeladen. In acht Online-Veranstaltungen, die im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben“ stattfanden, konnten sie den insgesamt 350 Schüler*innen ihre Geschichte erzählen.

Sally Perel und Gamze Kubaşık berichteten über ihre Schicksale

Mit Sally Perel kam ein Zeitzeuge zu Wort, der die NS-Zeit überlebt hat. Mit seiner verfilmten Autobiographie „Ich war Hitlerjunge Salomon“ hatte Perel in den frühen 1990er Jahren internationale Bekanntheit erlangt. Er entkam dem Holocaust in der Uniform der Nazis und überlebte als Hitlerjunge Jupp Perjell. In den Online-Gesprächen berichtete Perel von seinen Erlebnissen und der inneren Zerrissenheit über dieses Doppelleben, das ihn sowohl in die Rolle des Opfers wie in die des Täters zwang. Gamze Kubaşık sprach mit ihren jungen Zuhörer*innen über den Mord an ihrem Vater Mehmet Kubaşık. Er wurde 2006 in Dortmund von Mitgliedern des NSU erschossen. Sie erzählte unter anderem davon, wie die Sicherheitsbehörden mit ihnen als Angehörige umgingen, ob sie Solidarität erfuhren und wie die Erinnerungsarbeit heute aussieht.

 

 

Bild: ©Julia M Cameron/Pexels.com